Bisher verbrachten wir unsere Sommerurlaube immer in Deutschland, meist an der Ostsee.
Irgendwie war uns die Reiselust durch immer weiter steigende Preise für mittelmäßige Unterkünfte und Schlechtwetter in 2024 aber irgendwie vergangen. Zumal wir dem Alltagsstress im eigenen Land auch im Urlaub nicht mehr wirklich entfliehen konnten. Wir suchten also nach einem ganz neuen Reiseziel, das uns als Familie entschleunigt, verbindet und gleichzeitig unvergessliche Erlebnisse bietet.
Ich habe schon immer davon geträumt, Skandinavien zu erkunden. Unsere naturliebenden Kinder mit 3 und 7 Jahren hatten das perfekte Alter dafür, Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga auch einmal „persönlich“ kennenzulernen und deshalb stand schnell fest, dass Schweden als Reiseziel für uns genau das Richtige sein könnte.
Besonders im Sommer zeigt Schweden Herz: endlose Tage mit milden Temperaturen, an denen man zwischen roten Holzhäusern in den geheimen Wäldern die Elche beobachten kann. Wir Eltern tauschen Hektik gegen Entschleunigung, Termindruck gegen Hygge und die Kinder können Kinder sein. Klingt gut, oder? Ist es auch!
In diesem Beitrag nehme ich dich noch einmal mit auf unsere Reise nach Südschweden im Sommer 2024. Ich gebe dir Tipps, zeige dir Highlights und viel Wissenswertes, wobei ich dir hier gleich den ersten und sehr wichtigen Tipp geben will.
Ohne Kreditkarte geht wirklich nichts …
In Schweden (und auch schon auf der Fähre) könnt ihr vergessen, irgendetwas mit Bargeld bezahlen zu können! Man bezahlt alles, wirklich alles bargeldlos (nicht mit EC- sondern mit Kreditkarte!): vom Parkticket bis zur Zimtschnecke, vom Elchpark über die öffentliche Toilette bis hin zur Kollekte in der Kirche. Manche Cafés und Geschäfte nehmen gar kein Bargeld mehr an.
Am besten hat auch jeder Erwachsene von euch eine Kreditkarte, damit ihr bei Verlust oder Zahlungsschwierigkeiten immer noch einen Joker habt.
Und jetzt wünsche dir viel Spaß beim Lesen ♥!

An- und Abreise: Mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg und zurück
Um 7:30 Uhr legte die Fähre nach Trelleborg ab, vorher hatten wir noch eine etwa 5-stündige Anfahrt zum Rostocker Hafen zu bewältigen. Natürlich dachten wir an eine entspannte Reise mit schlafenden Kindern auf der Rücksitzbank, als wir etwa 1 Uhr in der Nacht aufbrachen. Die Aufregung und die Vorfreude auf die kommende Zeit machte uns jedoch allen einen Strich durch die Rechnung und so gingen wir mit 4 Mützen fehlendem Schlaf an Bord der Stena Line, auf der uns die Fähre in den nächsten 6 Stunden unserem Abenteuer immer näherbrachte.
Wir hatten 4 Ruhesessel gebucht und unser Ausblick auf die ruhige, sonnige See brachte uns dann doch zwischendurch immer mal ein paar Minuten Ruhe. Die Zeit verging irgendwie total schnell – ein nettes Restaurant und ein Bord-Shop luden zum Entdecken ein. Die Kinder waren mit Rätseln rund ums Meer und Spielen im separaten Spielzimmer immer bestens beschäftigt – und wir alle ließen unsere Blicke zwischendurch immer wieder über das weite Meer schweifen und uns den Wind durch die Haare pusten.
Tipps für die Fahrt mit der Fähre
Tipp 1: In der Ruhe liegt die Kraft
Bucht auf jeden Fall eine Sitz- oder Schlafmöglichkeit. Je nach Reisezeit und Alter eurer Kinder ist es gut, wenn man sich zwischendurch an einen festen Platz oder in eine Kabine zurückziehen kann. Ein Ruhesessel ist nicht teuer, wir haben 10€/ Person bezahlt.
Tipp 2: Mami, mir ist schlecht!
Wenn ihr nicht wisst, wie ihr oder eure Kinder die Fährfahrt vertragen, kauft euch vorher unbedingt etwas gegen Reiseübelkeit. Dabei kommt´s auch immer auf die Bedingungen auf hoher See an, z.B. ob die Fahrt ein Schaukelabenteuer ist oder man aufgrund von schlechtem Wetter überhaupt nicht an die frische Luft gehen kann.
Tipp 3: Vorbereitung ist alles …
Bereitet am besten schon vor Abreise bzw. rechtzeitig vor Ankunft am Hafen die wichtigsten Dinge für euren Aufenthalt an Bord vor und packt dafür im Vorfeld evtl. einen kleinen Rucksack. Habt ihr auf dem Schiff geparkt, müsst ihr euer Auto zeitnah verlassen und dürft das Autodeck bis zur Ankunft auch nicht mehr betreten. Bei uns brach kurz Hektik aus, weil wir nicht wirklich vorbereitet waren, für 6 Stunden aber auch nichts vergessen wollten (Kuscheltiere, Getränk, Jacke, Sonnenhut & Mütze, …).
Tipp 4: Wann sind wir endlich da?
Je nachdem, wie gut sich eure Kinder die Zeit vertreiben können (und ob sie alleine sind oder mit Geschwistern), überlegt im Vorfeld, welche Beschäftigungsmaterialien sich am besten eignen. Wir hatten zum Beispiel ein schönes Wasser-Malbuch für die Kleine dabei, die Kinderkamera war für ihre Schwester das Highlight.
Tipp 5: Surfen? Lieber auf der Welle als im Netz …
Anders als an Land zahlst Du für Roaming auf dem Wasser zusätzlich. Das kann sehr teuer werden. Wir haben an Bord unsere mobilen Daten ausgeschalten und das Netzwerk von Stena Line genutzt. Natürlich ist dieses Netz teilweise stark überlastet, für uns diente es aber sowieso nur als „Notfall-Variante“. Wenn ihr das Internet auf hoher See nutzen möchtet, informiert am am besten bei eurem Anbieter im Vorfeld über mögliche Optionen.
Unsere Unterkunft – Bullerbü-Feeling inklusive
Wir haben uns für ein typisches rotes Schwedenhäuschen entschieden – mit Holzveranda, herrlichem Blick in die Natur und einem Grill für die obligatorische Bratwurst. Und „abgelegen“ heißt in Schweden tatsächlich: absolut ruhig, naturnah und weit weg vom Alltagslärm. Kein Autoverkehr, keine Nachbarn unmittelbarer Sicht – nur wir, das Zwitschern der Vögel, der Duft von Blumen und ganz viel Freiheit. Für uns Eltern war es pure Erholung, für die Kinder ein wahres Entdeckerparadies. Ob kleine Waldabenteuer, Steine sammeln, Insekten beobachten oder stundenlanges Herumtollen auf der Wiese – Langeweile kam nicht auf.
Unser Häuschen befand sich in Ljungbyholm, 200 m vom Meer und nur 12 km von Kalmar entfernt. Wir haben es über das Internet bei STAY NORDIC gebucht und damit einen echten Volltreffer gelandet: ein renoviertes Ferienhaus, schlicht und gemütlich – genau so, wie man sich das vorstellt, mit guter Ausstattung, nettem Gastgeber und sogar einem beheizten Jacuzzi. Bei Temperaturen um 20 Grad war so doch die ein oder andere kleine Badeparty mir den Girls drin.
Ein besonderes Erlebnis war auch die schwedische Mitternachtssonne. Im Sommer wird die Nacht einfach mal ausgeschaltet. Es wird abends kaum richtig dunkel, was die Tage für die Kinder endlos erscheinen ließ – ein echtes Highlight, auch wenn das Zubettgehen dadurch manchmal zur Herausforderung wurde. Aber mal ehrlich – was gibt es Schöneres, als die Zeit zu vergessen, weil man so im Moment lebt?
Tipps für die Buchung einer Unterkunft
Tipp 1: Gute Nacht trotz Mitternachtssonne
Für eine gute Nacht trotz Mitternachtssonne: Da es nicht wirklich dunkel wird sind Verdunklungsrollos Gold wert – und wer’s besonders mag, packt noch die Schlafmaske im Elch-Design ein, die für einen erholsamen Schlaf sorgt.
Tipp 2: Mücken – klein, aber partyfreudig!
Die schwedische Natur ist ein Traum – für Menschen und Mücken. Wenn ihr also also nicht zur wandelnden Blutbar werden wollt, solltet ihr auf keinen Fall den Mückenschutz vergessen! Besonders in Unterkünften mitten im Grünen kommt ihr garantiert nicht allein zur Ruhe – die Insekten laden sich nämlich gerne selbst zum Abendessen ein – und dann seid ihr das Buffet.
Tipp 3: Wollpulli vs. Kaminfeuer
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es auch im Sommer morgens immer etwas frisch war und die Wollpullis auf jeden Fall zum Einsatz kamen. Achtet daher darauf, dass euer Haus eine Heizung oder einen Kamin hat. Bei uns gab es einen gemütlichen Kamin mit ausreichend Feuerholz und auch genügend Wolldecken, in die man sich während des morgendlichen Kaffees mit Blick in die Natur einkuscheln konnte.
Tipp 4: Küchenausstattung – Selbstversorger-Glück oder Campinggefühl?
Viele Unterkünfte bucht man mit Selbstverpflegung. Für uns ist das mit Kindern war das am komfortabelsten, da wir so einen eigenen, entspannten Rythmus haben konnten, der die Kinder früh auch mal ausschlafen ließ. Bei unserer Suche nach einem Ferienhaus haben wir aber festgestellt, dass nicht jede Küche eine Ausstattung nach unseren Bedürfnissen hatte. Wenn ihr plant, selber zu kochen, dann lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die Ausstattungsliste – und vielleicht ein eigenes kleines Geschirr-Backup ;).
Tipp 5: Handtücher & Bettwäsche – ja, nein, vielleicht?
Diese zwei Dinge sind in Schweden nicht inklusive – es ist üblich, dass man alles selbst mitbringt. Bei uns hat der Platz in unserem Auto dazu allerdings „Nein!“ gesagt. Wir haben deshalb recht teuer dazubuchen müssen und nur die Lieblingshandtücher unserer Kinder haben einen Platz im Koffer ergattert.
Tipp 6: Endreinigung und: das bisschen Haushalt …
Auch die Endreinigung ist in Schweden nicht selbstverständlich im Preis inbegriffen. Wenn ihr also am letzten Tag nicht noch panisch das Bad schrubben wollt, so wie ich, bucht ihr den Service gleich vorab dazu. Die Endreinigung hat bei uns 100,00 € extra gekostet.
Gerade wenn ihr mit kleinen Kindern reist, ist auch eine Waschmaschine Gold wert. Auch wenn ihr eigentlich nur eine Woche bleibt – Matsch & Zimtschnecken-Zucker machen keine Wäschepause.
Unser Schweden-Sommer: Highlights & Ausflüge
Hier zeige ich dir, wo wir überall gelandet sind, was wir erlebt haben und warum wir Schweden seither ein Stück in unseren Herzen tragen.
Astrid Lindgrens Welt mit Kindern erleben – Das Vimmerby-Highlight!
Der Ausflug nach Vimmerby in Astrid Lindgrens Welt war wie ein Sprung in die Kinderbuchseiten. Unsere Kinder tobten den ganzen Tag durch die Villa Kunterbunt, die Mattisburg oder entdeckten neugierig die kleinen, liebevollen Szenen in der winzig kleinen Stadt. Wir Eltern schnupperten nostalgisch an Kindheitserinnerungen.
Die lebendigen Theateraufführungen mit echten Darsteller*innen (die allesamt so nett und zugänglich waren) wurden nicht auf englisch und schon gar nicht auf deutsch aufgeführt, sondern auf schwedisch und so bekamen die Geschichten & Lieder eine ganz neue Bedeutung für uns.
Kindern, die sich, wie meine, sehr gerne im Zauber der Straßen, Spielplätze und Lädchen verlieren, könnt ihr am Eingang kleine „Notfallbänder“ an den Arm binden, mithilfe derer sie vom netten Parkpersonal zu euch zurück gebracht werden.
Tipp: Seid möglichst früh im Park und überlegt im Vorfeld, ob ihr ihn lieber zwei Tage besuchen wollt. Der Park ist riesig, so groß wie 13 Fußballfelder und man braucht viel Zeit, um alles zu entdecken und anzusehen.
Fazit: Der Park ist ein Traum für kleine Abenteurer und große Nostalgiker und ein absolutes Muss! Astrid Lindgrens Welt ist mehr als ein Freizeitpark, sondern eher ein lebendig gewordenes Bilderbuch.
Katthult Hof – Michel & Ida hautnah
Dieser Ausflug ließ sich von der Entfernung her super mit dem Filmbyn-Museum verbinden: der echte Katthult Hof, oder wie die Schweden sagen: Gibberyd. Hier wurde der legendäre Michel-Film gedreht – und ja, der Schuppen steht noch. Auch hier fühlten sich vor allem unsere Kinder wieder pudelwohl. Wie kleine Detektive suchten sie – zum Teil auf Stelzen – Spuren des Lausbuben Michel, konnten sich von kleinen Zicklein nur sehr schwer trennen und bewunderten die Wolfsgrube, die sie aus dem Film schon kannten. Das riesige Gelände inmitten schönster Natur und dieser Hof war für uns der schönste Ausflug unserer Schweden-Reise. Der kleine charmante Hof ist total liebevoll erhalten und hat uns ganz ohne viel Kitsch verzaubert.
Tipp: Das große Gelände lädt vor allem mit Kindern zu einem schönen Familien-Picknick ein.
Glasriket’s Moose Park – Elch-Action garantiert
Wer in Schweden keinen Elch gesehen hat, war nicht richtig da. Im Glasriket’s Moose Park begegnet man ihnen auf Tuchfühlung. Unsere Kids fütterten Elche, staunten über die Größe – und machten Selfies mit einem Geweih-Giganten.
Tipp: Vergesst auf keinen Fall den Mückenschutz und genießt eine geführte Tour in einem kleinen Truck, die sehr unterhaltsam und auch ideal für kleine ungeduldige Tierfans.
Filmbyn Småland – Filmstars zum Anfassen
Das Filmbyn Filmmuseum eignet sich gut für einen verregneten Urlaubstag und bringt Filmgeschichte in Kinderhöhe. Neben vielen interaktiven Stationen konnten sich unsere Kids dort als Pippi verkleiden, Filmszenen drehen und durch Original-Kulissen schlendern. Und wir? Schmachteten vor dem alten Mattiswald-Set ;).
Schloss Kalmar – Ritterträume am Meer
Aufgrund des doch nicht ganz günstigen Eintrittspreises haben wir diesen Ausflug lange überlegt, ließen uns aber am ENde dennoch darauf ein – und haben das nicht bereut! Das imposante Schloss Kalmar, Kalmar Slott, ist ein echtes Mittelalterjuwel. Aus Deutschland kennen wir Schlösser & Museen als Orte, die wir mit unseren Kindern aufgrund der Regen eher meiden. Ganz anders war es aber dort – das Personal wandelt in entsprechender Keidung umher, es gab zahlreiche Mitmachsachen für Kinder und hin und wieder durfte man sogar etwas anfassen :). Schloss Kalmar ist ein echtes Märchenschloss mit Lern- und Spaßfaktor! Es verbindet Geschichte und Abenteuer auf kindgerechte Weise – und ist ein Muss für kleine Ritter und Burgfräulein.
Tipp: Verbindet den Schlossbesuch mit einem Stadtbumnmel im schönen Kalmar, und genießt leckere Zimtschnecken vom heimischen Bäcker.
Böda Sand auf Öland – Strandurlaub auf schwedisch
Böda Sand ist einer der familienfreundlichsten Strände in ganz Schweden – ein echtes Strandparadies mit seichtem Wasser, endlosem Sand und einem Campingplatz, der (fast) jeden Wunsch erfüllt. Von unserem Ferienhaus aus, mussten wir etwa 1,5 Stunden mit dem Auto fahren, was aber nicht schlimm war: auf dem Weg gibt es so viel zu entdecken, mitunter die typischen Windmühlen, bei deren Zählen die Kinder sich unterwegs die Zeit vertrieben. Eine tolle Strandbar mit leckeren Speisen und schöner Musik gibt es auch – und natürlich hatten die Kinder viel Spaß beim Sandburgen bauen.
Schweden, tack för allt!
Nach 10 Tagen voller Abenteuer, Elche, Sandburgen und jeder Menge Kinderlachen blicken wir mit einem Lachen zurück auf unseren Sommer in Schweden. Zwischen Pippi Langstrumpf und Schlossromantik, Waldwegen und Zimtschnecken-Pausen haben wir nicht nur Land und Leute kennengelernt, sondern vor allem das skandinavische Talent fürs Entschleunigen. Und das tat so unheimlich gut!
Unsere Kinder sprechen jetzt fließend „Hej!“ und „Tack!“, wir Eltern ein bisschen fließender „Fika“ und „Lagom“. Und obwohl wir manchmal auch nasse Socken und Krümel im Auto hatten – würden wir sofort wieder losfahren.
Wenn ihr auf der Suche nach einem Familienurlaub seid, der Abenteuer und Entspannung, Natur und kindgerechte Highlights vereint – dann setzt Schweden ganz oben auf eure Liste. Uns hat dieses Land mit seiner Gelassenheit, den freundlichen Menschen und der Nähe zur Natur tief beeindruckt. Die Kinder reden immer noch von Pippi, Michel & den Elchen und wir von der Freundlichkeit der Menschen, der wunderschönen Natur und den roten Holzhäusern im Sonnenlicht.
Vielleicht habt ihr ja jetzt auch Lust bekommen, euer eigenes kleines Schweden-Abenteuer zu starten. Packt von allem etwas ein, nehmt viel Neugier mit – und lasst euch einfach treiben. Es lohnt sich. Versprochen.
Tack Sverige – wir kommen wieder. Vielleicht nicht morgen. Aber bald.

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